Moinsen
Kann mich meinen Vorrednern nur anschliessen, vielleicht noch einige Müsterchen:
- Wenn etwas nicht läuft, bist du schuld, auch wenn du das Gerät nie angefasst hast. Ausserdem wird von dir erwartet, dass du nur einen kurzen Blick auf einen Computer werfen kannst und danach das Problem gelöst ist, egal wie komplex es ist. Wenn nicht, wirst du als inkompetent betrachtet. (Klar, nicht von allen Kunden, allerdings von vielen)
- Vor allem bei kleinen Firmen: Diese Firmen sind notorisch immer knapp bei Kasse. Ich habe es einmal erlebt, dass als Server einer 10-Mann-Firma ein alter P3-Rechner mit Windows XP Home eingesetzt wurde, ohne RAID, ohne Datensicherung, ohne gar nichts. Als das Teil nach 3 Jahren Dauerbetrieb abrauchte, war es an uns, die Daten wieder rauszuholen, natürlich immer am liebsten schon gestern und gratis und dem Kunden war es ###gal, dass ich die halbe Nacht daran arbeitete. Als wir dem Kunden dann eine Offerte für einen richtigen Server samt gescheiter Datensicherung gemacht haben, hat dieser nur abgewunken und gesagt, er hätte von einem bekannten einen alten PC geschenkt bekommen, diesen nehme er als Server und fahre so weiter wie bisher.... Es habe ja 3 Jahre gehalten......
NICHTS GELERNT, manche Kunden sind unbelehrbar, und du musst damit klarkommen, dass du nicht immer Weltverbesserer spielen kannst.
- Man muss immer bereits sein, neues zu lernen. Als ich in der Informatik angefangen habe, hatte z.B. Microsoft Office einen Marktanteil von über 90%. Dieser Anteil ist inzwischen auf ca. 80% geschrumpft, d.h. viele Leute setzen vermehrt OpenOffice ein. Dann muss man sich halt auch damit beschäftigen. Ein weiterer Fall war die Umstellung von XP auf Vista. Vista nervte am Anfang mit seinen UAC-Abfragen, aber wenn man sich damit beschäftigt, erkennt man den Sinn dahinter. Oder die Ablösung von VBScript zu PowerShell. und und und
- Denke logisch und strukturiert. Wenn du für einen Kunden z.B. einen neuen Server aufstellst, musst du dir zuerst Gedanken machen, wie die Daten abgelegt werden, wie die User eröffnet werden, wie das Backup läuft etc. Das Ganze muss logisch sein und nachvollziehbar, falls mal jemand anders als du da ran muss. Ausserdem solltest du den Sinn von Dokumentationen erkennen (ja, ich weiss, das hat bei mir auch lange gedauert), aber wenn man für einen Kleinbetrieb eine komplett neues Netzwerk aufzieht mit AD, Exchange, Firewall und allem Pipapo, wirst du von selbst merken, dass du strukturiert vorgehen musst und dir jede Kleinigkeit einermassen sinnvoll aufschreiben musst. Wenn der Kunde 1 Monat später wegen einem Problem anruft, wirst du garantiert nicht mehr jede Einzelheit wissen und musst zuerst deine Dokumentation zu Rate ziehen.
1.Wie seid Ihr dazu gekommen Systemadministratoren zu werden? Wie muss man gestrickt sein, damit man der richtige für den Job ist?
Leidensfähig
2.Wie seid Ihr ausgebildet worden? Habt Ihr studiert?
Nee, Lehre als Informatiker Fachrichtung Systemtechnik mit technischer Berufsmaturität. Damit könnte ich theoretisch an eine Fachhochschule, will ich aber momentan nicht.
(Achtung, die Bezeichnungen gelten in der Schweiz, ich weiss nicht, ob es z.B. eine technische Berufsmaturität in Deutschland gibt und wenn ja, ob das was wert ist)
Anmerken muss ich auch noch: In der Berufsschule habe ich vielleicht 5% meines Wissens erworben. Den Rest durch Selbststudium und praktische Erfahrung
3.Muss man sich in meinem Alter schon supergut auskennen oder habe ich Zeit?
Nein, aber man muss interessiert sein und sich für ein paar Stunden einfach mal mit einem bestimmten Thema beschäftigen können, auch nach Schulschluss/Feierabend, wenn die anderen Kiddies sich im Park mit Gras zudröhnen.....
4.In welchen Fächern sollte man in der Schule seine Schwerpunkte setzen?
Englisch, Mathematik, Physik. Englisch vor allem deshalb, weil man bei einem sehr komplexen Problem evt. nur eine Problemlösung auf Englisch findet oder man sich für gewisse Sachen vielleicht an einen English-Only-Support wenden muss....
Gruss TuXHunT3R